Ein unsichtbarer Feind: Mediensucht erobert Österreich
In einer Welt, die zunehmend von digitalen Medien dominiert wird, hat sich eine neue Form der Sucht in den Alltag der Österreicher geschlichen. Mediensucht, eine Verhaltenssucht, die durch den unkontrollierten Gebrauch digitaler Inhalte gekennzeichnet ist, bedroht das soziale Gefüge und die psychische Gesundheit vieler Menschen im Land. Am 24. Januar 2026 widmet sich die ORF-Sendung „Bewusst gesund“ diesem kritischen Thema und beleuchtet die vielschichtigen Auswirkungen, die von der bloßen Freizeitbeschäftigung bis zum vollständigen Kontrollverlust reichen können.
Die Zahlen, die schockieren
Laut einer aktuellen Studie greifen Österreicher im Durchschnitt fast 40 Mal am Tag zu ihrem Smartphone. Diese Zahl mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, doch die damit verbundene Nutzungsdauer von rund vier Stunden täglich offenbart die tiefere Problematik. Diese exzessive Nutzung birgt das Risiko, zu einer Sucht zu werden – ähnlich wie Alkohol- oder Drogensucht. Doch was genau bedeutet Mediensucht?
Was ist Mediensucht?
Mediensucht zählt zu den Verhaltenssüchten, einer Kategorie von Abhängigkeiten, die nicht durch Substanzen, sondern durch Verhaltensweisen ausgelöst werden. Diese Art von Sucht ist durch einen Kontrollverlust und ein starkes Verlangen nach dem Konsum digitaler Inhalte gekennzeichnet. Betroffene vernachlässigen oft soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten, was zu einer Isolation führt.
Ein Phänomen aller Altersgruppen
Obwohl Mediensucht häufig mit Jugendlichen in Verbindung gebracht wird, zeigt die Beobachtung von Fachleuten, dass auch ältere Menschen, insbesondere nach dem Pensionsantritt, zunehmend betroffen sind. Dr. Dominik Batthyány, Psychotherapeut und Leiter des Vereins ERGON, erklärt: „Viele Senioren suchen online nach sozialen Kontakten, doch dies kann zu einem Teufelskreis aus Einsamkeit, innerer Unruhe und Schlafstörungen führen.“
Die Gründe für die Suchtentwicklung sind vielfältig. Während bei Jugendlichen oft der Druck, ständig erreichbar zu sein und nichts zu verpassen, im Vordergrund steht, suchen ältere Menschen häufig nach einem Ersatz für das fehlende soziale Umfeld nach dem Berufsleben.
Historische Perspektive: Wie es zur Mediensucht kam
Die digitale Revolution hat in den letzten zwei Jahrzehnten den Alltag der Menschen grundlegend verändert. Seit den frühen 2000er Jahren, als das Internet in die meisten Haushalte einzog, hat sich die Art und Weise, wie wir kommunizieren, arbeiten und unsere Freizeit gestalten, drastisch gewandelt. Smartphones und soziale Medien haben diesen Wandel weiter beschleunigt. Heute sind sie aus dem täglichen Leben kaum noch wegzudenken.
Doch mit der ständigen Verfügbarkeit digitaler Technologien sind auch neue Herausforderungen entstanden. Die Möglichkeit, jederzeit und überall online zu sein, hat die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen lassen und eine neue Art von Stress und Abhängigkeit geschaffen.
Vergleich mit anderen Ländern
Österreich ist bei weitem nicht das einzige Land, das mit den Schattenseiten der digitalen Revolution zu kämpfen hat. In Südkorea, einem der technologisch fortschrittlichsten Länder der Welt, wurde Mediensucht bereits 2011 als ernstzunehmende Gesundheitsbedrohung anerkannt. Die Regierung hat dort spezielle Programme zur Bekämpfung der Sucht entwickelt, darunter Rehabilitationszentren und Schulungen zur Medienkompetenz.
In Deutschland werden ähnliche Initiativen ergriffen, um die Bevölkerung für die Gefahren der digitalen Dauerbeschallung zu sensibilisieren. Diese internationalen Beispiele zeigen, dass Mediensucht ein globales Problem ist, das grenzüberschreitende Lösungen erfordert.
Auswirkungen auf den Alltag der Bürger
Die Auswirkungen von Mediensucht auf den Alltag der Betroffenen sind gravierend. Neben der sozialen Isolation leiden viele unter Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen und einer verminderten Leistungsfähigkeit. Diese Symptome können langfristig zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
„Für viele Betroffene ist der Weg zurück zu einem normalen Leben ohne exzessive Mediennutzung ein langer und steiniger“, erklärt eine ehemals Betroffene in der ORF-Sendung „Bewusst gesund“. Sie beschreibt, wie sie durch professionelle Hilfe und den bewussten Verzicht auf digitale Medien den Ausstieg aus der Sucht geschafft hat.
Therapiemöglichkeiten und Prävention
Die Behandlung von Mediensucht erfordert eine Kombination aus professioneller Beratung, Psychotherapie und individuell abgestimmten Strategien zur bewussten Mediennutzung. Dr. Batthyány betont die Wichtigkeit, den Medienkonsum bewusst zu gestalten und Zeiten der digitalen Abstinenz in den Alltag zu integrieren.
Präventionsmaßnahmen beginnen bereits im Kindesalter. Eltern und Schulen sind gefordert, Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beizubringen. Dazu gehören klare Nutzungsregeln und die Förderung von Alternativen zur digitalen Freizeitgestaltung.
Ein Blick in die Zukunft: Wohin führt der Weg?
Die digitale Transformation wird weiter voranschreiten, und mit ihr die Herausforderungen, die sie mit sich bringt. Experten prognostizieren, dass die Zahl der von Mediensucht Betroffenen in den kommenden Jahren weiter steigen könnte, sollten keine umfassenden Maßnahmen ergriffen werden.
Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien fördern. Dazu gehören die Förderung von Medienkompetenz in der Bildung und die Unterstützung von Präventions- und Therapieprogrammen.
„Wir müssen uns der Verantwortung stellen, die mit der Nutzung digitaler Technologien einhergeht“, warnt Dr. Batthyány. „Nur so können wir die Vorteile der Digitalisierung nutzen, ohne ihre Schattenseiten zu erliegen.“
Fazit: Ein Weckruf an die Gesellschaft
Mediensucht ist eine stille Epidemie, die das Potenzial hat, das soziale Gefüge unserer Gesellschaft zu zerstören. Die ORF-Sendung „Bewusst gesund“ wirft ein wichtiges Licht auf dieses Thema und zeigt Wege auf, wie Betroffene Hilfe finden können. Es liegt an jedem Einzelnen, sich der eigenen Mediennutzung bewusst zu werden und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.