Glücksspiel-Reform: Droht Österreich ein Milliardenverlust?

Einleitung: Glücksspiel-Reform in der Kritik

Am 3. Februar 2026 veröffentlichte die BRANCHENRADAR.com Marktanalyse GmbH eine brisante Studie über die zukünftige Glücksspielreform in Österreich. Die Ergebnisse sind alarmierend: Die vorgeschlagene Gesetzesänderung könnte das Gegenteil dessen bewirken, was sie verspricht. Statt den Spielerschutz zu erhöhen und die Staatsfinanzen zu stärken, drohen massive Verluste durch Abwanderung in illegale Märkte.

Hintergrund: Das österreichische Glücksspielgesetz

Das österreichische Glücksspielgesetz regelt, welche Formen des Glücksspiels legal sind und welche nicht. Derzeit gibt es in Österreich ein staatliches Monopol, das durch die Österreichische Lotterien GmbH verwaltet wird. Diese Monopolisierung soll sicherstellen, dass der Staat die Kontrolle über das Glücksspiel behält und somit den Spielerschutz gewährleisten kann. Doch nun steht eine Novellierung des Gesetzes an, die laut Expertenmeinung katastrophale Folgen haben könnte.

Die Studie im Detail

Die BRANCHENRADAR-Studie kritisiert den aktuellen Entwurf scharf. Dieser sieht vor, den Spielerschutz durch strenge Restriktionen zu erhöhen. So sollen etwa Einsatzlimits bei virtuellen Glücksspielen eingeführt werden. Doch anstatt den Spielerschutz zu verbessern, könnten diese Maßnahmen zu einer Abwanderung der Spieler in illegale Märkte führen. Die Studie zeigt auf, dass solch restriktive Maßnahmen in anderen Ländern bereits gescheitert sind.

Vergleich mit anderen Ländern

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass viele Länder mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen. In Deutschland beispielsweise wurde das Glücksspielgesetz ebenfalls reformiert, jedoch mit gemischtem Erfolg. Während einige Bundesländer positive Entwicklungen verzeichnen, kämpfen andere mit einem starken Anstieg illegaler Anbieter. Der Schlüssel zum Erfolg liegt offenbar in der Balance zwischen Kontrolle und Attraktivität des legalen Angebots.

Konsequenzen für die Bürger

Doch was bedeuten diese Veränderungen für die Bürger? Zunächst einmal könnten die Steuereinnahmen drastisch sinken. Die Studie prognostiziert einen Verlust von bis zu 300 Millionen Euro, wenn die Reform umgesetzt wird. Diese Mindereinnahmen könnten sich auf die Finanzierung öffentlicher Projekte auswirken, die auf Glücksspielsteuern angewiesen sind. Zudem könnte der Spielerschutz tatsächlich abnehmen, wenn mehr Spieler auf unregulierte und unsichere Plattformen ausweichen.

Expertenmeinungen: Was sagen die Profis?

Andreas Kreutzer, der Hauptautor der Studie, äußert sich kritisch: „Es gibt keine Demokratie auf der Welt, die durch DNS- und Payment-Blocking erfolgreich illegales Glücksspiel unterbinden konnte. Der Schlüssel liegt in einem regulierten Markt, der mit illegalen Anbietern konkurrieren kann.“ Eine weitere Expertin, Dr. Lisa Hoffmann, fügt hinzu: „Die Regierung muss verstehen, dass Restriktionen allein nicht ausreichen. Um den Spielerschutz zu gewährleisten, muss das legale Angebot attraktiv und zugänglich sein.“

Zahlen und Statistiken: Ein Blick auf die Daten

Die Studie präsentiert mehrere Szenarien für die Zukunft des Glücksspiels in Österreich. Im Basisszenario wird ein Wachstum des Bruttospielertrags von 496 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 1 Milliarde Euro im Jahr 2031 erwartet. Doch die Kanalisierungsrate, also der Anteil der Spieler, die legale Angebote nutzen, könnte von 46,7 % auf 39 % sinken. Im Worst-Case-Szenario könnte sie sogar auf 27,8 % fallen, was einen dramatischen Rückgang der Steuereinnahmen zur Folge hätte.

Zukunftsausblick: Wohin geht die Reise?

Die Studie schlägt als Alternative eine kontrollierte Marktöffnung vor. Diese könnte durch die Vergabe von Lizenzen an mehrere Anbieter erfolgen, ähnlich wie bei den Landesausspielungen in Automatensalons. Solch ein Modell könnte die Kanalisierungsrate auf bis zu 85,5 % steigern und die Steuereinnahmen auf 1,88 Milliarden Euro erhöhen. Dies wäre nahezu eine Verdopplung im Vergleich zur aktuellen Rechtslage.

Politische Zusammenhänge und Abhängigkeiten

Die Entscheidung über die Glücksspielreform hat weitreichende politische Implikationen. Die Regierung steht unter Druck, sowohl die Staatsfinanzen zu stabilisieren als auch den Spielerschutz zu gewährleisten. Dieser Spagat ist schwierig, da jede Entscheidung sowohl wirtschaftliche als auch soziale Folgen hat. Die Opposition kritisiert den Entwurf als zu restriktiv und fordert eine liberalere Herangehensweise, um den Markt zu öffnen und gleichzeitig die Kontrolle zu behalten.

Fazit: Eine Reform mit Risiken und Chancen

Die geplante Glücksspielreform birgt sowohl Risiken als auch Chancen. Während die derzeitigen Vorschläge erhebliche Gefahren für die Staatsfinanzen und den Spielerschutz darstellen, bietet eine kontrollierte Marktöffnung einen gangbaren Weg, um beide Ziele zu erreichen. Die Regierung muss nun entscheiden, welchen Weg sie einschlagen will. Eines ist sicher: Die Augen der Öffentlichkeit sind auf sie gerichtet, und das Ergebnis wird weitreichende Konsequenzen haben.

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