Wien (OTS) – Der Sozialausschuss des Nationalrats hat am 9. September
das
Gesetzespaket „Arbeiten im Alter“ beschlossen. Kern ist ein
Steuerfreibetrag für alle, die das gesetzliche Pensionsalter bereits
erreicht haben und dennoch weiterarbeiten. „Das Gesetz heißt Arbeiten
im Alter, gemeint ist aber vor allem das Arbeiten in der Pension“,
sagt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus – Soziale
Unter-nehmen Österreich. „Jene Gruppe, die es am dringendsten
braucht, erreicht es kaum: Menschen, die mit 55 oder 60 arbeitslos
werden und ein schrittweise steigendes Pensionsantrittsalter vor sich
haben.“
Zwtl.: Wer vor der Pension steht, wird für Unternehmen teurer
Positiv wertet arbeit plus, dass das Gesetzespaket „Arbeiten im
Alter“ hundert Millionen Euro jährlich für die
Beschäftigungsförderung älterer Arbeitsuchender vorsieht. Für diese
Gruppe wirkt allerdings eine andere gesetzliche Änderung in die
Gegenrichtung. Bisher mussten Unternehmen für Beschäftigte über 60
einen Teil der Dienstgeberbeiträge nicht zahlen. Diese Ausnahme hat
der Nationalrat im Juli 2026 mit dem Budgetbegleitgesetz gestrichen,
ab 2028 fällt sie weg. Damit kostet ein 62-jähriger Beschäftigter das
Unternehmen künftig mehr als bisher, während ein gleichaltriger
Pensionist mit Zuverdienst steuerlich begünstigt wird. „Für
Unternehmen wird ausgerechnet jene Gruppe teurer, die es am
Arbeitsmarkt ohnehin am schwersten hat“, betont Manuela Vollmann,
Vorsitzende von arbeit plus. „Das ist das falsche Signal.“
Zwtl.: Je älter, desto länger dauert die Arbeitslosigkeit
Was fehlt, ist zudem ein Instrument, das die Unternehmen selbst
adressiert. Drei von vier Betrieben in Österreich beschäftigen
niemanden über 60. Die Folgen zeigen sich in der Dauer der
Arbeitslosigkeit: Arbeitslose Anfang 50 sind im Schnitt bereits 260
Tage beim AMS gemeldet, bei den 60- bis 64-Jährigen sind es sogar 435
Tage. „Einerseits rufen Unternehmen nach Fachkräften, andererseits
lassen sie jene außen vor, die jahrzehntelange Erfahrung mitbringen“,
ergänzt Rehbichler. „Älteren wird zu wenig zugetraut, sie gelten als
zu teuer, als zu kurz im Betrieb. Ein Bonus-Malus-System würde auch
die Unternehmen in die Verantwortung nehmen und jene unterstützen,
die den Wert älterer Mitarbeiter:innen schon erkannt haben.“
Zwtl.: Wie ein Bonus-Malus-System funktioniert könnte
Ein Bonus-Malus-System könnte die Höhe der Lohnnebenkosten eines
Unternehmens an den Anteil älterer Beschäftigter koppeln: Wer Ältere
einstellt und hält, zahlt weniger, wer sie nicht beschäftigt, zahlt
mehr. Vorgesehen ist aktuell ein bloßes Informationsschreiben an
Unternehmen mit einem niedrigen Anteil älterer Beschäftigter – davon
erwartet sich arbeit plus kein Umdenken bei den Arbeitgeber:innen.
Zwtl.: Warum dem Arbeitsmarkt Erfahrung verloren geht
„Der Arbeitsmarkt verändert sich. Künstliche Intelligenz
verändert Tätigkeiten, das Erwerbsalter steigt, und auf der mittleren
Qualifikationsebene fehlen künftig Fachkräfte“, sagt Manuela
Vollmann. „Umso weniger können wir es uns leisten, erfahrene Menschen
vorzeitig aus dem Erwerbsleben zu drängen. Mit jeder dieser Personen
geht Wissen verloren, das an die nächste Generation weitergegeben
werden müsste.“
„Was zählt, ist die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung über die
Jahre“, so Vollmann weiter. „Jedes Jahr, das ein Mensch vor der
Pension arbeitslos verbringt, kostet Beiträge, Kaufkraft und
Erfahrung, die dem Arbeitsmarkt fehlt. Beschäftigung ab 50 kommt
mehrfach zurück, für die Menschen, für die Wirtschaft und für den
Sozialstaat. Weil sich Verantwortung rechnet.“