Frauenfußball in der Krise: Zweite Liga kämpft ums Überleben!

Revolution im Frauenfußball oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die jüngste Pressemitteilung der younion-Sportgewerkschaft am 4. August 2026 hat die Fußballwelt erschüttert. Trotz der Fortschritte im Frauenprofifußball bleibt die zweite Liga in Österreich stark benachteiligt. Die Frage, die sich nun stellt, ist: Können die jüngsten Entwicklungen die bestehenden Ungerechtigkeiten ausgleichen?

Ein Blick zurück: Die Entwicklung seit 2024

Im Jahr 2024 hatten nur 26 % der Bundesliga-Spielerinnen einen Profivertrag. Zwei Jahre später hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Doch was auf den ersten Blick wie ein großer Fortschritt aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ernüchternd. Nur 8,9 % der Spielerinnen sind in Vollzeit angestellt. Die Mehrheit erhält maximal 720 Euro netto pro Monat als Aufwandsentschädigung. Diese Zahlen zeigen, dass die meisten Spielerinnen nicht von ihrem Sport leben können.

Die younion-Sportgewerkschaft, vertreten durch Thomas Pichlmann, betont: „Wer professionellen Sport verlangt, muss auch professionelle Arbeitsbedingungen schaffen.“ Diese Aussage unterstreicht die Notwendigkeit für tiefgreifende Veränderungen im System.

  • Profi-Anstellungen: Mehr als verdoppelt, aber noch lange nicht genug.
  • Finanzielle Lage: Die meisten Spielerinnen können nicht allein vom Fußball leben.
  • Soziale Absicherung: Nur ein geringer Teil ist über den Verein unfallversichert.

Die zweite Liga: Ein Bild der Misere

In der zweiten Liga sieht die Situation noch düsterer aus. Weniger als 4 % der Spielerinnen haben überhaupt eine Anstellung, sei es geringfügig, in Teilzeit oder Vollzeit. Die überwiegende Mehrheit muss neben dem Fußball arbeiten, studieren oder zur Schule gehen. Dabei erhalten 94,2 % der Spielerinnen höchstens 500 Euro netto im Monat vom Verein, 27,5 % bekommen sogar gar nichts. Die Eigenkosten sind hoch, und viele Spielerinnen zahlen ihre Ausrüstung selbst.

Besonders alarmierend ist die medizinische Absicherung: Nur 4 % der Spielerinnen wissen sicher, dass sie unfallversichert sind. Verletzungen sind häufig, und die Kosten für Behandlungen müssen meist selbst getragen werden. Stefanie Enzinger, ehemalige Nationalteamspielerin und younion-Vertreterin, erklärt: „Das sind keine Hobbyfußballerinnen, sondern Leistungssportlerinnen. Sie verdienen verbindliche Mindeststandards und eine Absicherung, die sie im Verletzungsfall nicht alleinlässt.“

Der Ruf nach einem Kollektivvertrag

Angesichts dieser Herausforderungen wächst der Druck auf die Verantwortlichen. In der ersten Liga sprechen sich 67,9 % der Spielerinnen für einen Kollektivvertrag mit Mindestgehältern und geregelten Rechten aus. In der zweiten Liga sind es 63,6 %. Solche Regelungen könnten die finanzielle und soziale Absicherung der Spielerinnen erheblich verbessern.

Die Forderungen der younion-Sportgewerkschaft sind klar:

  1. Mehr reguläre und sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse
  2. Verpflichtende schriftliche Vereinbarungen für alle Spielerinnen
  3. Klare Regelungen zur Unfallversicherung und zur Übernahme von Behandlungskosten
  4. Verbindliche medizinische und sportliche Mindeststandards
  5. Eine schrittweise Entwicklung hin zu kollektivvertraglich geregelten Arbeitsbedingungen

Vergleich mit anderen Bundesländern und Ländern

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreich nicht allein mit diesen Herausforderungen steht. In Deutschland beispielsweise hat der Frauenfußball in den letzten Jahren ebenfalls Fortschritte gemacht, doch die finanzielle Diskrepanz zwischen Männern und Frauen bleibt erheblich. In den USA hingegen, wo der Frauenfußball traditionell stärker verankert ist, haben Spielerinnen kürzlich wichtige rechtliche Siege errungen, die zu besseren Bezahlungen und Arbeitsbedingungen führten.

Auswirkungen auf die Spielerinnen und den Sport

Für die Spielerinnen in Österreich bedeutet die aktuelle Situation, dass sie sich zwischen ihrer Leidenschaft und finanzieller Sicherheit entscheiden müssen. Viele sind gezwungen, neben dem Fußball einer anderen Beschäftigung nachzugehen, was ihre Leistungsfähigkeit und Erholungszeiten beeinträchtigt. Dies wirkt sich auch auf die Qualität des Frauenfußballs in Österreich aus, da das Talent nicht vollständig ausgeschöpft werden kann.

Ein Blick in die Zukunft

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Die younion-Sportgewerkschaft hat bereits erste Schritte unternommen, um die Bedingungen zu verbessern, doch es bedarf weiterer Anstrengungen von allen Beteiligten. Die Einführung eines Kollektivvertrags könnte ein Meilenstein sein, der den Frauenfußball in Österreich nachhaltig verändert.

Thomas Pichlmann fasst es treffend zusammen: „Seit 2024 hat sich etwas bewegt. Jetzt geht es darum, aus einzelnen Fortschritten verlässliche Strukturen zu machen. Keine Spielerin soll sich zwischen ihrer sportlichen Karriere und ihrer finanziellen oder gesundheitlichen Sicherheit entscheiden müssen.“

Fazit

Die Situation im Frauenfußball in Österreich ist komplex und erfordert dringende Maßnahmen. Während die erste Liga Fortschritte macht, bleibt die zweite Liga stark benachteiligt. Die Forderungen nach einem Kollektivvertrag und besseren Arbeitsbedingungen sind nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig, um den Frauenfußball in Österreich zukunftsfähig zu machen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Verantwortlichen den Mut haben, die notwendigen Schritte zu unternehmen. Eines ist sicher: Die Spielerinnen werden nicht aufgeben, für ihre Rechte zu kämpfen. Und wir werden darüber berichten!

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