Einzigartiges Projekt zur Linderung der Pflegekrise
In einer bahnbrechenden Initiative hat Niederösterreich ein Projekt gestartet, das nicht nur landesweit, sondern europaweit seinesgleichen sucht: die „Pflegeausbildung Vietnam“. Diese innovative Maßnahme wurde am 16. Januar 2026 von der Sozial-Landesrätin und NÖAAB-Landesobfrau Christiane Teschl-Hofmeister vorgestellt. Das Ziel? Den akuten Pflegenotstand in Österreich zu lindern.
Die Details des Projekts
Im Rahmen dieses Projekts haben 75 Schülerinnen und Schüler aus Vietnam über eineinhalb Jahre hinweg intensiv Deutsch in Hanoi gelernt. Anschließend reisten sie nach Krems, um am International Nursing Center die Pflegeassistenzausbildung in deutscher Sprache zu absolvieren. Die erste Gruppe steht kurz davor, mit Mitte Februar ihre Abschlussprüfung zu absolvieren und ihre berufliche Laufbahn in österreichischen Pflegeeinrichtungen zu beginnen.
Warum Vietnam?
Die Wahl Vietnams als Partnerland mag auf den ersten Blick überraschen, doch bei näherer Betrachtung wird die Logik klar. Vietnam hat eine junge, bildungshungrige Bevölkerung und ein hohes Interesse an internationaler Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Zudem ist die Pflegeausbildung in Vietnam auf einem hohen Niveau, was die Integration in das österreichische Pflegesystem erleichtert.
Hintergrund der Pflegekrise in Österreich
Österreich, wie viele andere europäische Länder, steht vor einer demografischen Herausforderung. Die Bevölkerung altert, und der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften steigt stetig. Laut einer Studie der Statistik Austria wird die Zahl der Menschen über 80 Jahre bis 2040 um mehr als 70% steigen. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf das ohnehin schon überlastete Pflegesystem.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Während Niederösterreich mit dem Vietnam-Projekt innovative Wege geht, haben andere Bundesländer unterschiedliche Ansätze verfolgt. In Wien beispielsweise wird verstärkt auf die Digitalisierung in der Pflege gesetzt, um Prozesse zu optimieren und Personal zu entlasten. In der Steiermark wiederum gibt es ein Pilotprojekt zur Ausbildung von Pflegekräften aus dem Balkan.
Konkrete Auswirkungen auf die Bevölkerung
Die Ankunft der vietnamesischen Pflegekräfte könnte eine spürbare Entlastung für viele Pflegeheime bedeuten. Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, betont: „Unsere heimischen Pflegekräfte arbeiten hochprofessionell und mit großem Einsatz, aber auch oft an der Belastungsgrenze. Wenn ihnen nun zusätzliche, gut ausgebildete Kolleginnen und Kollegen zur Seite gestellt werden, dann werden unsere heimischen Pflegekräfte entlastet.“
Expertenmeinungen
Pflegeexperte Dr. Herbert Lechner sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt: „Die Integration internationaler Pflegekräfte ist nicht nur eine kurzfristige Lösung, sondern könnte langfristig den Beruf attraktiver machen und das Image der Pflege verbessern.“
Zahlen und Statistiken
Der Bedarf an Pflegekräften in Österreich ist enorm. Laut dem Österreichischen Gesundheitsbericht fehlen bis 2030 rund 76.000 Pflegekräfte. Projekte wie das in Niederösterreich könnten helfen, diese Lücke zu schließen.
Ein Blick in die Zukunft
Die erfolgreiche Integration der vietnamesischen Pflegekräfte könnte als Modell für weitere internationale Kooperationen dienen. „Wenn wir hier Erfolg haben, könnten ähnliche Programme mit anderen Ländern folgen“, so Teschl-Hofmeister.
Politische Dimensionen
Die Pflegekrise ist auch ein politisches Thema. Die ÖVP in Niederösterreich sieht in dem Projekt einen Beweis für ihr Engagement, innovative Lösungen zu finden. Die Opposition kritisiert jedoch, dass solche Maßnahmen nur die Symptome, nicht aber die Ursachen der Pflegekrise bekämpfen.
Fazit
Das Projekt „Pflegeausbildung Vietnam“ könnte ein entscheidender Schritt zur Linderung der Pflegekrise in Österreich sein. Die kommenden Monate werden zeigen, wie erfolgreich die Integration der vietnamesischen Pflegekräfte verläuft und ob andere Bundesländer diesem Beispiel folgen werden.