Revolution am Reisenberger Hauptplatz: Wie ein Studententeam die Zukunft gestaltet

Ein Dorf im Wandel: Reisenberg und sein Hauptplatz

Reisenberg, eine idyllische Marktgemeinde in Niederösterreich, steht vor einer monumentalen Transformation. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Dorf wirkt, ist nun Schauplatz eines innovativen Projekts, das die Herzen und Köpfe seiner Bewohner erobern will. Im Rahmen des renommierten Paving Design Award 2025, organisiert vom Forum Qualitätspflaster, haben Studierende der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) die Möglichkeit, den Hauptplatz von Reisenberg neu zu gestalten.

Ein Wettbewerb mit Tradition und Innovation

Der Paving Design Award ist kein Unbekannter. Zum vierten Mal fand dieser Wettbewerb statt, und erstmals wurde ein Areal mit einer herausfordernden Topografie und erheblichen Höhenunterschieden in den Fokus gerückt. Mit einer Fläche von 6.650 Quadratmetern stellt der Reisenberger Hauptplatz eine beachtliche Bühne für kreative und nachhaltige Stadtplanung dar.

„Die Teilnehmer haben unsere Vorgaben nicht nur erfüllt, sondern großartig erweitert“, lobte Bürgermeister Günter Sam die Projekte. Seine Begeisterung ist nachvollziehbar, denn die Herausforderung, einen Platz mit starkem Gefälle und einer belebten Durchzugsstraße neu zu konzipieren, ist keineswegs trivial.

Der Siegerentwurf: Verbundene Vielfalt

Das Projekt „Verbundene Vielfalt – Leben und Bewegen am Hauptplatz“ stach aus der Menge der Einreichungen hervor. Es überzeugte nicht nur durch eine akkurate Ortsanalyse, sondern auch durch ein innovatives Höhenkonzept, das eine durchdachte Verkehrslösung ermöglicht. Die Jury hob besonders die homogene Oberflächengestaltung und die Schaffung konsumfreier Zonen hervor, die zum Verweilen einladen.

Ein zentrales Element des Entwurfs ist die Anwendung des Schwammstadt-Prinzips bei der Baumpflanzung. Dieses Prinzip, das ursprünglich aus der Stadtplanung Chinas stammt, zielt darauf ab, Regenwasser effizient zu managen und so den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Durch die Verwendung wasserdurchlässiger Materialien kann der Platz Wasser speichern und bei Bedarf wieder abgeben, was nicht nur die Umwelt schützt, sondern auch die städtische Infrastruktur entlastet.

Eine Verkehrslösung, die begeistert

Die Landeshauptstraße L161, die bisher den Platz diagonal durchkreuzte, stellte eine erhebliche Hürde für die einladende Nutzung des Areals dar. Das neue Verkehrskonzept sieht jedoch eine Reduktion der Verkehrsflächen zugunsten von Grünflächen vor. Bushaltestellen werden logisch westlich der neuen Kreuzung gebündelt, und für den Kindergarten entsteht ein neuer Hol- und Bringbereich. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Geschwindigkeit auf der Landesstraße senken, sondern auch die Aufenthaltsqualität für die Bewohner erhöhen.

Ein Vorbild für andere Gemeinden

Reisenbergs mutiger Schritt könnte als Vorbild für andere Gemeinden in Österreich und darüber hinaus dienen. Die Kombination aus ökologischen Überlegungen und praktischen Lösungen zeigt, wie moderne Stadtplanung aussehen kann. Stefan Weissenböck, Vorstandsvorsitzender des Forums Qualitätspflaster, betonte: „Die Vielfalt der Zugänge und der hohe Stellenwert ökologischer Lösungen haben uns beeindruckt.“

Der Erfolg dieses Projekts könnte andere Gemeinden ermutigen, ähnliche Initiativen zu starten und die Zusammenarbeit mit Universitäten zu suchen, um innovative Lösungen für urbane Herausforderungen zu finden.

Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet die Bürger?

Bereits im Januar 2026 wird das Siegerprojekt den Bürgern von Reisenberg vorgestellt. Die Vorfreude ist groß, denn die Umsetzung könnte schon bald beginnen. Für die Bewohner bedeutet dies nicht nur eine Verschönerung ihres täglichen Lebensumfelds, sondern auch eine Aufwertung der gesamten Gemeinde.

„Die Neugestaltung wird nicht nur ästhetische Vorteile bringen, sondern auch die Lebensqualität erheblich steigern“, prognostiziert Dr. Hans Müller, Stadtplaner und Experte für urbane Entwicklung. „Die Integration von Grünflächen und die Verbesserung der Verkehrssituation werden das Gemeinschaftsgefühl stärken und die Attraktivität der Gemeinde erhöhen.“

Historische Wurzeln und moderne Innovation

Die Dreifaltigkeitssäule und der historische Baumbestand, die in die Neugestaltung einfließen, erinnern an die reiche Geschichte des Ortes. Gleichzeitig steht das Projekt für einen Aufbruch in eine moderne Zukunft, die Tradition und Innovation vereint. Diese Balance ist es, die Reisenberg zu einem einzigartigen Beispiel für erfolgreiche Stadtplanung macht.

Ein Appell an die Politik

Die Neugestaltung des Reisenberger Hauptplatzes ist nicht nur ein Projekt für die Gemeinde, sondern auch ein Signal an die Politik. Es zeigt, dass durch gezielte Investitionen und die Zusammenarbeit mit akademischen Institutionen nachhaltige und innovative Lösungen entwickelt werden können, die langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.

Die Landesregierung von Niederösterreich könnte durch die Unterstützung solcher Projekte nicht nur das Image der Region als fortschrittlich und umweltbewusst fördern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaziele leisten.

Ein Schlusswort voller Hoffnung

Das Projekt in Reisenberg ist mehr als nur eine Neugestaltung eines Platzes. Es ist ein Symbol für den Wandel, den unsere Gesellschaft braucht, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Mit Mut, Kreativität und Gemeinschaftssinn kann aus einer kleinen Gemeinde ein Leuchtturm der Innovation werden, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus strahlt.

Datenschutzinfo