Wien (OTS) – Wiens 855 Brücken unterliegen strengsten
Sicherheitskontrollen, die
für Brücken zuständige MA 29 kontrolliert und prüft die Bauwerke
regelmäßig. So auch die Salztorbrücke, die den 1. und 2. Wiener
Gemeindebezirk seit ihrer Eröffnung 1961 über den Donaukanal
verbindet. Die 91 Meter lange Brücke ist eine besondere
Spannbetonkonstruktion und die einzige ihrer Art in Wien. Regelmäßig
werden verdichtete Bauwerksprüfungen und ein engmaschiges Monitoring
mit laufenden Riss-, Neigungs- und Schallemissionsmessungen
durchgeführt. Nach dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden 2024, die
eine ähnliche Spannstahlkonstruktion wie die Wiener Salztorbrücke
hatte, wurden die Untersuchungen nochmals intensiviert und der
Zustand mittels eingebauter Sensoren im Dauer-Monitoring überwacht.
Engmaschige Kontrolle und Bewertung durch Expertenkommission
Zu Jahresbeginn wurde eine Expertenkommission unter der Leitung
des renommierten Brücken-Experten Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn.
Patrick Huber von der TU Wien eingerichtet, um den Zustand der Brücke
intensiv zu beobachten und zu bewerten. Die Untersuchungen wurden
heuer noch einmal verstärkt und ein Belastungstest durchgeführt. Aus
den Messwerten und deren Vergleich mit den Ergebnissen eines
Berechnungsmodells konnten Rückschlüsse auf das aktuelle
Tragverhalten und den Zustand der Brücke gezogen werden.
Auf Basis der umfassenden Untersuchungen sowie der fachlichen
Empfehlungen der eingesetzten Expertenkommission wurde der weitere
Zeitplan für die Zukunft der Salztorbrücke konkretisiert. Die Stadt
Wien hat die daraus resultierenden nächsten Schritte bereits
vorsorglich eingeleitet.
Sperre für PKW und LKW ab 10.11.26
Die Salztorbrücke wird ab 10. November 2026 vorsorglich für LKW
und PKW gesperrt, die Planungen für die Neukonstruktion starten
unmittelbar danach. Es folgen Ausschreibung, Wettbewerb und Umlegung
der Versorgungsleitungen. Nach Abschluss der Vorarbeiten beginnt mit
Anfang 2028 der Abbruch der Brücke, mit Beginn 2029 startet die
Neuerrichtung. „Die Nutzungsdauer der Salztorbrücke beträgt dann
beinahe 70 Jahre. Dies ist eine übliche Lebensdauer für
Spannbetonbrücken aus den Anfängen der 60er Jahre“, erläutert Prof.
Huber, der die Empfehlung für den Neubau abgegeben hat.
„Die Sicherheit der Wienerinnen und Wiener steht für uns an
erster Stelle. Wir beobachten und prüfen die Salztorbrücke seit
vielen Jahren sehr intensiv und gehen keinerlei Risiko ein. Auf
Empfehlung der Expert*innenkommission wird die Brücke ab Herbst 2026
für LKW und PKW gesperrt und steht dann nur noch Fußgänger*innen,
Radler*innen sowie dem Citybus 2A zur Verfügung. Der motorisierte
Verkehr wird von der Salztorbrücke auf die umliegenden Brücken
verlagert. Die geringe Belastung durch Radfahrer*innen, Fußgänger*
innen und dem Citybus liegt weit unter der vom Belastungstest
kalibrierten Belastung, die Brücke kann daher sicher genutzt werden“,
erläutert Wolfgang Strenn, Leiter der MA 29 – Brückenbau und
Grundbau. Der Citybus – der alle 10 bis 14 Minuten zu den
Hauptverkehrszeiten fährt – spielt aus statischer Sicht aufgrund des
geringen Gewichts derzeit keine wesentliche Rolle.
Auch Prof. Huber erläutert die Sicherheit der Brücke: „Die
Untersuchungen zeigen, dass die Salztorbrücke nach derzeitigem
Kenntnisstand unter engmaschigem Monitoring und bei reduzierter
Verkehrslast noch weiter sicher genutzt werden kann. Sollte das
Monitoring jedoch Veränderungen wie Spanndrahtbrüche an kritischen
Stellen oder Biegerisse feststellen, ist eine sofortige Sperre des
Brückenverkehrs erforderlich.“ Selbstverständlich wird die
Salztorbrücke bis zu ihrem Abriss weiterhin engmaschig kontrolliert.
Umliegende Brücken nehmen Verkehr auf
Die umliegenden Brücken und Straßen werden die zusätzlichen
Verkehrsbelastungen als zeitlich begrenzte Übergangslösung aufnehmen.
„Im Vorfeld werden wir in der Koordination besonders darauf achten,
dass die Verkehrsmaßnahmen gut mit den notwendigen Vorhaben im Umfeld
abgestimmt sind. Für die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer wird
es zeitgerecht detaillierte Informationen zu den
Querungsmöglichkeiten geben. Im Zuge der Baustellenkontrollen werden
wir uns die Beschilderung vor Ort genau ansehen, damit alles klar und
verständlich ist“, so der Baustellenkoordinator der Stadt Wien,
Christian Zant. Insgesamt gibt es 24 Straßenbrücken, 6
Eisenbahnbrücken und 7 Stege über den Donaukanal.
Derzeit nutzen rund 12.000 Fahrzeuge, ca. 3.000 Radfahrer*innen
und ca. 6.100 Fußgänger*innen die Salztorbrücke täglich. Der
motorisierte Individualverkehr wird nach der Sperre in Richtung 1.
Bezirk über die Roßauer Brücke umgeleitet, während in Richtung 2.
Bezirk über die Marienbrücke und die Augartenbrücke geführt wird.
Während der Rückbauarbeiten wird zudem sichergestellt, dass
wichtige Versorgungsleitungen für Fernwärme, Strom und weitere
Infrastrukturverbindungen über den Donaukanal durchgehend in Betrieb
bleiben.
Vorausschauendes Brückeninstandsetzungsprogramm
Die Stadt Wien setzt ihr Brückeninstandsetzungsprogramm
konsequent fort, um die Verkehrssicherheit und langfristige
Nutzbarkeit der Bauwerke sicherzustellen. Im Rahmen dieses Programms
wurden entlang des Donaukanals bereits wesentliche Brückenbauwerke
vorausschauend umfassend erneuert.
So wurde bereits im Mai 2024 die Gesamtinstandsetzung der
Aspernbrücke erfolgreich abgeschlossen. Die Arbeiten umfassten unter
anderem das Tragwerk sowie die Geh- und Radwegbereiche. Auch die
Augartenbrücke wurde umfassend instandgesetzt. Dabei wurden Arbeiten
an der Fahrbahn- und Brückenkonstruktion, Abdichtungen, Beläge und
Tragwerksteile umgesetzt. Diese Arbeiten an der Brücke zwischen dem
2. und 9. Bezirk wurden im Juli 2025 abgeschlossen.
Im heurigen Sommer konnte die künftig als Umleitungsstrecke
dienende Marienbrücke ebenfalls auf diese Herausforderung vorbereitet
werden, indem der Fahrbahnbelag ausgebessert wurde. Im Anschluss an
den Neubau der Salztorbrücke wird auch diese Donaukanalquerung
gesamtinstandgesetzt.
Neubau für die Mobilität der Zukunft
Der Neubau der Salztorbrücke wird den Anforderungen einer
modernen und zukunftsorientierten Mobilität gerecht. Radfahrer*innen
erhalten mehr Platz und attraktivere Verbindungen, Fußgänger*innen
profitieren von einer komfortableren und sichereren Querung. Auch die
Nutzung durch Busse bleibt gewährleistet. Nach Abschluss der Arbeiten
wird die Brücke wieder für den Individualverkehr geöffnet. „Wir
sorgen dafür, dass die Salztorbrücke von den definierten Benutzer*
innengruppen bis zum Abbruch sicher genutzt werden kann und werden
mit dem Neubau auch künftig eine sichere und leistungsfähige
Verbindung über den Donaukanal gewährleisten“, so Wolfgang Strenn
abschließend.
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